1600 Jahre unter der Erde
Landwirt fand beim Pflügen Gefäß aus der Römerzeit





Berg bei Nideggen. - Schon in früheren Jahren sind auf dem Klemensstock, der Höhe westlich des Ortes, Reste einer Siedlung aus der Römerzeit gefunden worden. Einen weiteren kostbaren Fund machte am 6. Januar der Landwirt Egidius Elsig. Beim Pflügen, etwa 40 Meter südwestlich der kleinen Kapelle, stieß er auf einige Tonscherben, die sich bei weiterer Nachforschung als Teile eines römischen Vorratsgefäßes von ca. 50 bis 60 cm Höhe und 50 cm Durchmesser der oberen Oeffnung erwiesen.

Da die Reste des Gefäßes nur etwa 15 cm unter der Erdoberfläche lagen, konnten sie leicht freigelegt werden. Wertvolle hIlfe leistete dabei Maria Claassen, da sie archäologische Interessen pflegt und deshalb Sachkenntnist mitbrachte. Kreisbodenpfleger Gerhards hat die schwierige Aufgabe übernommen, die vorhandenen Scherben zusammenzusetzen. Das ist deshalb nicht leicht, weil ein Teil der Scherben verlorengegangen ist, darunter auch der Boden des Gefäßes. Dennoch bleibt es ein wertvoller Fund, nicht zuletzt der beiden Zierbänder wegen, mit denen das dickbauchige Gefäß geschmückt ist. Diese beiden Streifen und die Größe des Gefäßes weisen es als ein Prachtstück der damaligen Töpferkunst aus, denn es wurde auf der Drehscheibe geformt.

Die Tatsache, daß das Gefäß in einer Ascheschicht lag, spricht dafür, daß das Haus, in dem es stand, beim Einfall der Franken abgebrannt wurde. Bei dieser Gelegenheit fielen wahrscheinlich Scherben der herunterstürzenden Dachziegel in das Gefäß, denn sie wurden jetzt bei den Ausgrabungen mit freigelegt. Die Umfassungsmauern dieses Hauses, die auch nachgewiesen werden konnten, gehören zu einem ganzen Komplex von Häuserresten, der bereits auf dem Klemensstock entdeckt wurde. Bei dem Haus, dessen Ueberreste man jetzt im Zusammenhang mit der Entdeckung des Kruges fand, hat es sich vermutlich um ein Fachwerkhaus auf Steinfundamenten gehandelt.

Man darf annehmen, daß das Gefäß, ein sogenanntes „dolum“, seinen Boden nicht erst bei der Zerstörung des Hauses verloren hat, sondern schon vorher wegen dieses Mangels nicht mehr brauchbar war. Da es sich aber um ein besonders schönes dickwandiges Stück handelte, wollte der Besitzer es wohl nicht vernichten und benutzte es fortan als Aufbewahrungsort für allerlei Gegenstände, die er zwar im Augenblick nicht gebrauchen konnte, andererseits aber auch noch nicht wegwerfen wollte. Man kann das aus einem völlig verrosteten und der Form nach nicht mehr bestimmbaren Eisenstück schließen, das inmitten der Tonscherben, Ziegelstücke und Aschereste entdeckt wurde. Erst beim Abbrennen des Hauses durch die Franken wurde das Gefäß dann endgültig zerstört. Seitdem hat die Erde es gehütet und bewahrt, um es jetzt nach 1500 bis 1600 Jahren, wieder preiszugeben.


Auch die Jugend half gerne, das römische Vorratsgefäß auf dem Klemensstock bei Berg sorgfältig freizulegen und zu säubern. Aus den Scherben dieses Prachtstückes der Töpferkunst vor 1600 Jahren will Kreisbodenpfleger Gerhards das „dolum“ wieder rekonstruieren.





Quelle: Unbekannt, 6.1.?
Sammlung Theresia Cremer, Abenden; Sammlung wingarden.de, H. Klein
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