Zweites gallisches Heiligtum freigelegt.
Ausgrabungen im Badewald hatten Erfolg – Lohnende Funde getätigt





Berg vor Nideggen. Nach den bisherigen Ergebnissen der Ausgrabungen am Badewald zu urteilen, wurden die Erwartungen der Fachwelt voll und ganz erfüllt. Dieser Tage wurde ein zweites römisches Heiligtum gefunden, d. h. genauer gesagt, ein steinerner Schuh, der zur Aufnahme einer Kultsäule gedient haben muß. Nach Mitteilung von Dr. von Petrikovits, der die Ergebnisse vor der Presse erläuterte, werden die Ausgrabungen noch bis Ende November fortgesetzt, um dann den Winter über unterbrochen zu werden. Bei dieser Gelegenheit dankte der Grabungsleiter der Kreisverwaltung, der Deutschen Forschungsgesellschaft und den übrigen Stellen für die zuteil gewordene Unterstützung, ohne die die Grabungen hätten eingestellt werden müssen.

Allein dieser neue Fund habe die Arbeit gelohnt, die bei den Ausgrabungen im Badewald geleistet wurde, führte Dr. von Petrikovits aus. Das zweite Heiligtum - ein etwa 60 cm hoher steinerner Schuh, der einmal eine Kultsäule enthielt - bestätigte die Vermutungen, die man nach der Freilegung des ersteren gehabt hatte. Damals war ein zylindrisches Loch aufgefallen, das 90 cm maß und über zwei Meter in das Fundament hineinführte und auf einem Felsausläufer endete. Die Annahme, daß in diesem Loch eine Kultsäule gestanden habe, wurde bestätigt, als man bei den Ausgrabungen das Fundament des zweiten Tempels anschnitt und dabei einen 60 cm hohen Schuh fand, der ausgehöhlt ist und einmal eine Säule enthalten haben muß. Durch die Freilegung dieses steinernen Schuhes erhalten die Thesen über Sitte und Glaube der Gallier neuen Auftrieb. Es wird angenommen, daß das Heiligtum etwa 200 Jahre nach Christus erbaut wurde.

Wahrscheinlich Fachwerkbauten

Weitere Ausgrabungsarbeiten wurden inzwischen im übrigen Badewald, auf dem Hostert, vorgenommen. Dabei wurde ein großes Wohngebäude freigelegt. Ein zweites konnte angeschnitten werden. Den Funden gemäß muß es sich bei dem freigelegten Herrenhaus um ein großes Gebäude gehandelt haben, bei einer Ausdehnung von 20 mal 30 Metern. Ein Säulengang zieht durch dieses Gebäude. Gleichfalls wurde das Gesindehaus freigelegt, das 11 mal 15 Meter groß ist und für damalige Verhältnisse recht umfangreich ist. Vermutlich handelte es sich bei beiden Häusern um Fachwerkbauten.

Was die „Kuhle“ aussagt

Unmittelbar neben diesen Gebäuden befindet sich die sogenannte „Kuhle“, an deren Rand man beträchtliche Mengen von Brauneisenstein gefunden hat. Man nimmt an, daß es im Tagebau von den Galliern ausgebeutet wurde. Fügt man hinzu, daß in der Nähe - oder vielleicht unmittelbar hindurch - die Eisenstraße führte, so darf angenommen werden, daß das hier freigelegte Brauneisenstein auch in der Nähe verhüttet wurde. Damit wäre auch eine natürliche Bestätigung dafür gefunden, warum dieses Gebiet früher so dicht besiedelt war. Damit würde die „Klimatheorie“, die besagt, daß die dichte Besiedlung zur damaligen Zeit in unserem Gebiet auf die günstigen Witterungsverhältnisse zurückgeführt werden, als nicht zutreffend erkannt.





Quelle: Lokal-Anzeiger vom 13. Oktober 1954
Sammlung Marliese Wintz, Kreuzau; Sammlung wingarden.de, H. Klein
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